Wegen Depressionen versagt?

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Wegen Depressionen versagt?

Beitragvon AmyBlue » Do. 15.06.2017, 00:34

Guten Tag! Ich schreibe hier, weil ich absolut zur Zeit nicht weiter weiß....
Und zwar geht es darum, dass ich bereits seit meinem 13. Lebensjahr an schweren Depressionen leide; und dadurch viele Jahre ins Land gezogen sind.... ich war 4 Mal stationär in Behandlung, um einigermaßen klarzukommen, nehme auch Medikamente. Jetzt ist mein Problem, ich werde 30 Jahre alt, habe für viele Dinge unwahrscheinlich lange gebraucht und habe das Gefühl, meine Zukunft zu verbauen deswegen. Habe meinen Realschulabschluss, mein Fachabitur nachgeholt, eine schulische Ausbildung abgeschlossen und habe nun mit 28 ein Studium begonnen, um eine gute Grundlage zu schaffen, bezüglich meiner beruflichen Zukunft.... ich fühle mich aber wie eine Arbeitsverweigerin, weil meine beruflichen Erfahrungen nicht wirklich von Erfolg gekrönt waren, da ich oft meine Stelle verloren habe, bzw. erst gar nicht eingestellt wurde, Praktikumsberichte waren auch sehr, sehr schlecht..... weil ich sehr viel Angst habe, vieles falsch zu machen, bin sehr unsicher, habe kein Selbstbewusstsein (wobei, es war früher schlimmer).... jedenfalls habe ich das Gefühl, viel Zeit verloren zu haben; meine Geschwister hacken auf mir herum, weil sie ja ihr Gehalt im Monat haben, eine eigene Wohnung, etc.... und ich wohne noch bei meiner Mutter, da, wie gesagt, vieles sehr lange gedauert hat. Auch einen Partner habe ich nicht. Weil ich von mir denke, niemals jemanden glücklich machen zu können. Trotzdem möchte ich mein Studium nicht abbrechen, aber dann ist da wieder die Angst, mir geht viel Zeit durch die Lappen. Habe auch Angst, dass ich später einen Job nach dem nächsten verliere, weil einfach die Erfolgserlebnisse ausgeblieben sind. Habe starke Stimmungsschwankungen und leide oft unter einem schweren Morgentief... Das Studium läuft, bezüglich des Stoffs, sehr gut; das ist nicht das Problem - das Problem ist eher meine Verfassung, weil diese existentiellen Ängste mir jeglichen Lebensmut nehmen. hat jemand ähnliche Erfahrungen oder hätte ein paar Tipps für mich?

Liebe Grüße
AmyBlue
 

Re: Wegen Depressionen versagt?

Beitragvon KleinesMädchen » Mo. 19.06.2017, 15:08

Liebe Amy,

klingt vielleicht banal, oder auch weit hergeholt, aber ich glaube, es würde dir sehr helfen, auszuziehen.
Es stärkt ungemein, wenn man seine Erfolgserlebnisse in Selbstständigkeit hat und das schöne an einer eigenen Wohnung ist - es kann auch mal etwas schief gehen, ohne das jemand etwas Wind bekommen. Es ist dann quasi auch dein Test-Raum.
KleinesMädchen
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Registriert: Sa. 17.06.2017, 19:37

Re: Wegen Depressionen versagt?

Beitragvon Sternsucher » Mo. 19.06.2017, 18:15

Hallo AmyBlue,
ich kann dich sehr sehr gut verstehen!
Auch ich war seit meinem 11.Lebensjahr immer wieder in therapeutischer Behandlung, hatte 2 Klinikaufenthalte, litt immer wieder an Depressionen und sonstigen unschönen psychischen Sachen.
Als ich deinen Beitrag las, fiel mir v.a. auf WIEVIEL du TROTZ deiner Krankheit gemacht und geschafft hast!!!
Und ein Studium anzufangen, das auch noch so gut läuft, ist doch super! Ehrlich, wenn es dir gefällt, MACH ES!
Es gibt so viele Menschen, die gesund sind und gar nicht in die Pötte kommen.
Für uns ist das Leben ungleich schwerer, und immer wieder mit Kämpfen, Aufraffen und doppelter Anstrengung verbunden. Wir sind keine Versager, wir haben es verdammt schwer.

Ich will das alles nicht schönreden und ich kenne diese Ängste, Sorgen und Gefühle sehr gut.
Ich habe es übrigens nie geschafft, eine Ausbildung fertigzumachen, hab vieles angefangen und wieder hingeschmissen, mich irgendwie durchgeschlagen. 10 Jahre war ich selbständig, aber letztlich bin ich da knapp an der Insolvenz vorbeigeschlittert. Also erfolgsgekrönt im herkömmlichen Sinne ist mein Leben nicht gerade.
Aber ich habe immerhin schon 44 Jahre überlebt, und in den Zuständen, die wir beide wohl kennen, ist allein das schon eine Riesenleistung.
Ich kann dir nur empfehlen, zieh das Studium durch, wenn es das ist, was dir gefällt, was du wirklich willst. Es gibt viele, die erst spät und nach mehreren Anläufen fertig werden.
Ich komme immer wieder an den Punkt, wo ich merke, wie doof es ist, wenn man KEINE Ausbildung, nichts abgeschlossenes hat und immer nur die ungelernte Kraft ist, bzw. irgendwelche Jobs macht.
Machst du denn Psychotherapie in irgendeiner Form oder gab es "nur" die Klinikaufenthalte?
Ich glaube es ist ganz wichtig, diese Existenz- und Zukunftsängste in den Griff zu kriegen, oder sie abzumildern, denn die Angst versaut uns doch so vieles... und was mal in ein paar Jahren ist, wissen wir ja eh nicht.
Ich weiss schon, die Angst, sich selbst unter Druck setzen, ein schlechtes Gewissen usw usf... auch das sind Teile der Krankheit.
Die Idee von KleinesMädchen mit dem alleine wohnen finde ich übrigens auch sehr gut! Vielleicht gibt es ja irgendwie diese Möglichkeit ?
Und, ganz ehrlich, das letzte was du brauchst, sind Leute, die auf dir rumhacken und schon gar nicht aus der eigenen Familie! Nimm Abstand, lass dir das nicht gefallen. Sie KÖNNEN nicht ermessen, wie es DIR geht.

So, ich hoffe, ich hab ich jetzt nicht komplett zugetextet...

Alles Liebe für dich!

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