Falsche Diagnose - evtl. falsche Behandlung?

Hier könnt Ihr allgemein über psychische Störungen und Krankheiten sprechen bzw. wenn Ihr Euch nicht auf eine spezielle Thematik festlegen wollt.

Falls Ihr nicht genau wisst, um was für eine Störung es geht oder in welchem Unterforum es passen würde, könnt Ihr ebenfalls auch erst einmal hier schreiben.

Falsche Diagnose - evtl. falsche Behandlung?

Beitragvon TooComplexForLife » Mi. 06.09.2017, 12:29

Guten Tag,
bin gerade eben auf dieses Forum gestoßen und erhoffe mir Rat zu meinem speziellen Fall.

Es geht mir um eure Einschätzungen zu meiner psych. Erkrankung und Tipps, um mir in dieser deutschen, psychatrischen Maschinerie die Hilfe holen zu können, die ich wirklich brauche.

Meine Diagnosen sind paranoide Schizophrenie und Sucht, ich bezweifle jedoch mittler Weile, dass es die korrekten oder einzig zutreffenden Diagnosen sind.

Die letzten Jahre hatte ich immer wieder Psychosen und wurde dementsprechend behandelt. Hatte oft Zeiten von regelmäßigem Alkohol- und /oder Drogenmissbrauch.

Doch ich vermute, die Drogenproblematik, und deren Auswirkungen (Psychosen), sind nur Folgeerkrankungen, eines generellen, viel tiefer gehenden Schadens meiner Psyche.

Schon in der Pupertät hatte ich oft depressive Verstimmungen. Wobei das auch normal sein kann.
Ich hatte oft ein Gefühl der Leere, nein eher eines von Fern- oder Heimweh. Mit Sechszehn fing der Alkoholmissbrauch an. Ich machte eine sehr destruktive Phase durch, besoffener Weise die Arme bis zu untersten Hautschicht aufschlitzen, vorsätzliche Sachbeschädigungen, Saufen bis zum Erbrechen. Auch schien meine jugendliche Rebellion stärker ausgeprägt zu sein, als bei Gleichaltrigen. Zeitgleich war ich immer sehr ängstlich, hatte eine Soziophobie. Immer: „Was denken die von mir?“ usw.

Mit 18 dann angepasster. Mit Eltern versöhnt. Heimlich nachts getrunken um bei melancholischer Musik herzlich heulen zu können. Ein Genuss. In dieser Zeit habe ich auch häufig Selbstgespräche geführt. Oder bin besoffener Weise draußen nackt herumgelaufen.

Mit 22 dann regelmäßigen Kiffen angefangen. Schon bei den ersten Malen, ging es mir dabei nicht gut – hatte Angstattacken auf THC und war total verkopft. Dennoch habe ich es immer und immer wieder getan. Um nicht zu ausschweifend zu werden: Es folgten viele Psychosen, mit allen Symptomen, die man haben kann – bis zu Zwangshandlungen (Wippen) und Halluzinationen.

Damals fing ich an, mein eigenes Ich zu ergründen. Metaphorisch gesprochen: Ich zog Schicht für Schicht meiner Selbst ab, wie bei einer Zwiebel. Seit dem reflektiere ich mein Verhalten und meine Gedankenwelt fast dauerhaft. Mir viel auf, dass ich mich stets einsam gefühlt habe in meinem Leben. Auch oder gerade wenn ich unter Freunden bin. Wenn ich alleine bin, dann ist da ein guter alter Freund (irgendwie ich selbst), darum auch sehr häufig Selbstgespräche.

Irgendwie scheine ich mein eigenes Ich nicht richtig zu begreifen. Weiteres Beispiel: Eine Gruppe von Leuten sah ich oft nicht als Ansammlung von einzelnen Persönlichkeiten, wobei ich zu jeder dieser Personen ein anderes persönliches Verhältnis habe – Nein, es war immer Ich und die Anderen. Wurde in Schulzeiten viel gemobbt – spielt wohl eine Rolle. Immer eher ein Opfer von Gruppendynamik, konnte selten mitschwingen – immer gegen den Strom.

Auch noch interessant: Ich scheine abwechselnd oder auch mal zeitgleich extro- sowie introvertiert zu sein. Ich erzähle oft viel und gebe mehr von mir Preis als mir lieb ist. Andere Seits, muss ich mich oft zurückziehen und ganz allein mit mir und meinem „inneren Freund“ sein.

Ich beschäftige mich vielleicht auch zu viel mit mir selbst, achja zum egozentrismus neige ich auch, obwohl ich anderen sehr gerne bei Problemen helfe.
Ambivalenz ist voll mein Ding, oh man. Ich weiß nicht mal wirklich über meine eigene sexuelle Orientierung bescheid. Ein bißl devot bin ich auch. Letzten Jahre immer wieder unter hohem Alkoholeinfluss nackt rumgelaufen oder mir absichtlich in die Hosen gemacht.
Ich sollte zum Ende kommen.

Zur Zeit bin ich auf Soziotherapie (Suchttherapie). Ich befürchte, dass es die völlig falsche Behandlung ist. Bin seit einigen Monaten rückfallfrei und guter Dinge was Sucht betrifft, ich habe absolut keine Lust mehr auf völlige Kontrollverluste durch Trunkenheit. Doch plagen mich hier Stimmungsschwankungen. Heul- und Wutattacken.

Nun hatte ich schon eine Boderlinepersönlichkeit bei mir im Verdacht. Schließt ja Psychosen nicht aus. Doch einige der offizellen Kriterien passen nicht zu mir. Ich manipuliere sehr selten Andere. Dies tat ich in der Jugendzeit schon eher mal. Als Kind hab ich ständig gelogen. Auch häufig wechselnde Sexualpartner hatte ich nie – wobei hätte ich gekonnt...
Geritzt habe ich mich nur unter Alkoholeinfluss. Allerdings halte ich meine Alkohol- und Cannabisexzesse für selbstverletzendes Verhalten. Gerade was Kräutermischungen betrifft. Die sind die Hölle aber dennoch tat ich es immer wieder.

Und noch kurz zur Medikationsvergangenheit: Risperidon (oral und Depot), Citalopram, Zyprexa, Abilify (oral, Depot), Mirtazipin, nun „nur“ noch Seroquel.Prolong 300mg und 3 x täglich unretardiert 75mg.
Dennoch meist psychotische Symptome: Stimmen hören, Gedankenausbreitung, irrationale Ängste.
Zur Zeit vorallem Stimmungsschwankungen. Habe die medikamentöse Negativsymptomatik meist als schlimmer als das Psychotische erlebt. Kognitive Beeinträchtigungen, Gefühlskälte und und und.

Liebe, aufgeschlossene und (leider) psychatrieerfahrene Leute hier: Was meint ihr zu all dem?
Bin ich auf na Sozio richtig? Falsche Diagnose?

Könnte mir ein psychologisches Gutachten helfen? Kann ich dadurch meine evtl. Ansprüche auf eine angemessene Behandlung / Therapie-/Wohnform besser durchsetzen. Inwieweit darf ich mir selbst trauen, wenn ich glaube das und das täte mir gut?

Habe die Medikamenten-Odyssee satt! Habe es satt mir von einer unerfahrenen Assistenzärztin anhören zu müssen, ich sei nur Borderliner wenn ich mich ritzen würde. Habe satt hier auf Sozio falsch behandelt zu werden. Ich brauche Hilfe aber die Richtige!!!!

Bitte um guten Rat,
vielen Dank schon mal.

LG
TooComplexForLife
 

Re: Falsche Diagnose - evtl. falsche Behandlung?

Beitragvon kuscheltier92 » Mi. 06.09.2017, 18:33

Ich vermute jeder wird dirhier sagen können...

...AB kenne ich von mir...
...XF ja das kommt auch bei mir vor...
...GZ ja soetwas erlebe ich auch immer wieder...

also kurzum, die ein oder andere deiner beschriebenen "Symptome" erkennt jeder hier in sich selbst wieder.

Du wirst wie so einige andere hier von vielem dir "ein bisschen" angeeignet haben. Jedoch wird die "kombinierte-Persönlichkeitsstörung" nur selten diagnostiziert, bzw bedarfs es dafür in der Regel eines längeren stationären Aufenthaltes.

Was du für ein Gemisch beschreibst könnte aus, MEINE VERMUTUNG...

Still-Depressiver Persönlichkeitsstil
Spontan-borderline Persönlichkeitsstil
Ängstlich-vermeidender Persönlichkeitsstil

dazu dann

Drogeninduzierte Psychose

aber hey, letzten Endes habe ich keine Ahnung
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kuscheltier92
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Re: Falsche Diagnose - evtl. falsche Behandlung?

Beitragvon TooComplexForLife » Do. 07.09.2017, 10:14

Bei einem knappen Persönlichkeitstest (Fragebogen), während einer Entgiftung kam tatsächlich sowas wie:
"Still-Depressiver Persönlichkeitsstil", raus. Allerdings halte ich von diesen Fragebögen nicht viel. Kann der Patient ja je nach Stimmung, Phase, Tagesform, usw. immer wieder anders beantworten.

Wurde gestern auch von jemanden hier gefragt warum es mir wichtig ist meine "Krankeheit" beim Namen nennen zu können.
Musste darüber nachdenken. Zum Einen weil man dadurch vll sich mehr Verständnis von Angehörigen erhoffen kann. Aber eben auch damit ich die richtige Behandlung kriege.

Es geht auch irgendwie um Prioritäten: Sollte nicht die zu Grundfe liegende PS behandelt werden, damit ich auch rückfallfrei bleibe und somit weitere Psychosen vermieden werden?

PS: Süßes und lustige Profilpic hast du!^^
TooComplexForLife
 


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