Offener Umgang mit svV??

Forum zum Austausch über das so genannte Selbstverletzende Verhalten (SVV), auch bekannt als Ritzen, Selbstverstümmelung, Cutten usw.
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Offener Umgang mit svV??

Beitragvon traene01 » Do. 18.05.2017, 19:36

Ich hab zur Zeit Probleme mit svV.

Ich schneide mich weder tief noch gross. Ich hab am inneren Unterarm einfach ganz viele so kleine Schnitte. Mikroschnitte wie mein Arzt sie genannt hat. Bin ich mal davon weg wird es auch schnell verheilen und voraussichtlich keine Narben bleiben.

Nun merke auch ich dass der Sommer kommt. Da ich mit der Therapie erst grad angefangen habe zeigen sich noch nicht wirklich Besserungen, weshalb ich auf eure Erfahrungen hoffe.

Hat hier jemand Erfahrung damit Narben offen zu zeigen? Wirklich grosse Wunden habe ich ja sowieso nicht. Da meine Schnitte nicht zu tief sind geht der Heilungsprozess schneller. Sie sind dadurch schnell wieder verkrustet und fast weg, wobei ich denke dass es niemanden mehr stören soll. Nur weiss ich, dass niemand der es nicht weiss sowas von mir erwarten würde. Denn es weiss auch sogut wie niemand von meinen Problemen und fast alle denken ich führe ein perfektes Leben (gute Noten, gute Arbeit, gute Freunde,...)
In der Schule (Berufsschule) und sonst in der Freizeit würde ich jedoch nun gerne beginnen, das ganze offen zu machen. Auf der Arbeit kann ich nicht.
Wie habt ihr das gemacht? Seid ihr ohne gross etwas zu sagen einfach kurzarm raus gegangen? Wie habt ihr reagiert wenn euch jemand drauf angesprochen hat? und wie lange ist es gegangen bis ihr euchndsran gewöhnt habt? Wie haben die Lehrer darauf reagiert?
Vielleicht kann mir auch jemand von der anderen Seite helfen. Habt ihr es schon mal erlebt dass jemand begann damit offen umzugehen, und wenn ja wie habt ihr und die anderen darauf reagiert und wie hat dies auf euch gewirkt?

Ausser einer guten Freundin weiss es in der Schule bisher wirklich noch niemand. Weder Mitschüler noch Lehrer (ausser jemand hätte es mal gesehen und nichts gesagt)
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Re: Offener Umgang mit svV??

Beitragvon JK97 » Do. 18.05.2017, 19:58

Hey, ja hab ich. Bin aber selbst noch komplett am Anfang. Ich versuch mich so langsam darin es offen zu zeigen und habe festgestellt, dass viele es gar nicht so mitbekommen. Ich dachte immer sie starren darauf und würden sons was über mich denken, aber vielen fällt es gar nicht auf. Andere gucken, trauen sich aber nicht was zu sagen, ich glaub ich könnte mittlerweile mit bestimmten Personen darüber reden. Auf der Arbeit habe ich es gestern das erste mal gemacht. Das war n komisches Gefühl und ich konnte mich nicht auf das konzentrieren was ihc gemacht hab weil ich Angst vor den Reaktionen hatte, es kam aber 0. Niemand hat geguckt oder mich drauf angesprochen. Aber ich merke dass ich für mich noch sehr viel stabiler werden muss um damit umgehen zu können wenn mich wirklich jemand ansprechen würde. Mal gucken was die Zeit bringt.
LG und ganz viel Kraft und Mut
Wir werden hineingeboren in diese kranke Welt, in der man dich, wenn du dich gegen das Kranke wehrst, für den Kranken hält.
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Re: Offener Umgang mit svV??

Beitragvon loner » Fr. 19.05.2017, 10:20

Hallo,

Das letzte mal, als bei mir wirklich was sichtbar war, wurde ich drauf angesprochen. Ich habe aber ehrlich gesagt nicht den Mumm gehabt, die Wahrheit zu sagen. Auch, weil ich einfach keine Lust habe zu erklären, wieso ich es mache. Damit musst du halt auch rechnen, dass dich jemand anspricht und du solltest dir vorher überlegen, ob du bereit bist, die Wahrheit zu sagen, und ob du bereit bist, jemanden anzulügen, den du nicht anlügen willst. Denn in der Situation kann das dir genau wie mir passieren, dass du dich nicht "sicher genug fühlst", um über sowas intimes zu reden.
In meiner Jugendzeit (einmal mit ca 15 und dann mit ca. 17/18) habe ich mit zwei verschiedenen Freundinnen darüber gesprochen, es bzw angesprochen. Die eine kannte das schon von einer anderen Freundin und war recht betroffen. Sie hat eigentlich sehr gut reagiert, verständnisvoll, hat es jedoch natürlich nicht vertsanden. Und war eben auch traurig, denk ich, dass ich das mache. Die andere hat sofort abgelockt, geschockt und angeekelt regaiert und wollte nicht, dass ich drüber rede. Hat mir das Gefühl gegeben, dass ich eine total Bekloppte bin und hatte kein Verständnis dafür, dass ich das nunmal nicht kontrollieren kann und mich eben nicht dafür "entscheide" das zu tun, sondern es einfach passiert.
Mein Exfreund hat mir angedroht mich zu verlassen, wenn ich es nocheinmal tue (hat es aber im Endeffekt nicht gemacht). Wir haben aber auch nciht wirklich drüber gesprochen, wieso ich es mache. Es wurde kurz getröstet und dann alles unter den Teppich gekehrt.
Mein Mann kann damit kaum was anfangen, findet es aber schlimm. Der kommt mit solchen Gefühlen glaube ich so gar nicht zurecht, denn er hatte sogar den letzten Vorfall vergessen und dachte die neuen Narben seien alte Narben, die vor unserer Ehe entstanden sind :roll:

Ich denke, jeder wird ein bisschen anders reagieren. Und auch wenn ich selbst betroffen bin, dann würde auch ich einfach bei jedem Menschen, selbst bei Fremden, bei denen ich es sehe, total geschockt und traurig sein. Weil ich es nachempfinden kann und weil ich weiß, dass ich nichts tun kann, um zu helfen.
Ich habe seit einer Zeit wieder angefangen Sport zu machen in einer Gruppe, wo man meine Narben eigentlich sehen müsste. Ich habe nicht viele deutlich sichtbare, weil ich mich meist wie du auch nur oberflächlich verletzte. Die Leute haben am Anfang draufgestarrt (so ist mein Empfinden), aber ich glaube, sie nehmen es nicht als solches wahr, sondern fragen sich eher nur, was das ist und woher es kommt. Und wenn sie eine leise Ahnung haben, dann trauen sie sich denk ich nicht zu fragen. Weil es eben so intim ist und man dem anderen ja auch nicht zu nahe treten will. Und weil es so ein Thema ist, über das man nicht spricht.

Das zu meinen Erfahrungen.
loner
Wie einfach wäre das Leben, wenn sich die unnötigen Sorgen von den echten unterscheiden ließen. (Karl Heinrich Waggerl)
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Re: Offener Umgang mit svV??

Beitragvon Kätzchen » Fr. 19.05.2017, 10:32

Huhu, ich zeige meine Narben offen (ist mir im Sommer doch etwas zu umständlich geworden zu erklären wieso ich mit langen Sachen rumlaufe :oops: ) und ich kann sagen das es den wenigsten Leuten bisher aufgefallen ist das ich Narben habe, wenn jemand doch mal meine Narben bemerkt und mich darauf anspricht sag ich immer das ich eine schwere Zeit hinter mir habe und das einfach ein Teil meiner Vergangenheit ist (ich hab mittlerweile eine abgeschlossene Therapie und habe dadurch einen sehr offenen Umgang mit dem Thema svv bekommen) ich hab bisher natürlich auch blöde Reaktionen darauf bekommen aber die meisten sind verständnisvoll oder sagen nichts mehr dazu was ich persönlich ok finde. Bei mir ging das dran gewöhnen auch relativ schnell nachdem ich bemerkt habe das weder auf der Straße noch in der Berufsschule wirklich jemand so aufmerksam ist das er meine Narben bemerkt und ich hab teilweise große gut sichtbare Narben. Vll hilft dir die Antwort ein wenig
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Re: Offener Umgang mit svV??

Beitragvon Helmchen » Di. 30.05.2017, 11:48

Hallo alle zusammen,

Ich finde den Umgang damit eine sehr persönliche Sache. Ich finde es gut, dass du dir die Erfahrungen anderer zu diesem Thema anhören möchtest. Ich würde dir aber raten, nicht zu denken, weil das bei jmd auf eine Art geklappt hat, mache ich das auch so. Ich für meinen Teil denke, dass wichtigste ist, dass es dir damit gut geht und du dich nicht selbst unter Druck setzt.

So nun zu meinen Erfahrung im Umgang damit. Muss vllt kurz erklären, ich habe was SVV betrifft immer mal wieder Schübe (bisher ca 4-5). Am Anfang war das relativ einfach damit umzugehen, weil ich das an Stellen gemacht habe, die sehr selten von einem anderen Menschen gesehen werden. Dort habe ich auch 1-2 grössere Narben, die aber auch als "normale" verletzung durchgehen. Lange Zeit war das auch genau das was ich gesagt habe, wenn es doch mal jmd gesehen hat.
Mittlerweile habe ich allerdings auch am Unterarm Narben, die man schon sehen kann. Als ich vor ein paar Monaten beschlossen hatte, damit "offen" umzugehen, war es für mich sehr wichtig, der Fragerei zuvorzukommen. Ich habe mir sehr genau überlegt, wem in meinem Umfeld ich das sagen möchte und auch die Gründe dafür erklären möchte. In meinem Fall war es sehr wichtig, das nicht darauf ankommen zu lassen, irgendwann darauf angesprochen zu werden, weil es jmd sieht. Ich habe mich sozusagen darauf vorbereitet jetzt mit jmd darüber zu reden und so den Zeitpunkt, meinen Gemütszustand, Ort und das Wetter (kleiner Scherz ) selbst zu bestimmen. Das war für mich vorallem aus einem Grund wichtig, ich musste für mich bereit sein, auch damit umgehen zu können, dass jmd das ganze also "bescheuert, verrückt" oder ähnliches empfindet, ohne das mich das direkt wieder runterzieht. In meinem Freundeskreis ist das gott sei Dank nicht geschehen, ganz im Gegenteil, ich bin auf sehr viel Verständniss getroffen. Ich empfinde das auch als eine Art Vertrauensbeweis, jmd davon zu erzählen, obwohl es nicht notwendig ( weil zB die Person die Narben gesehen hat) ist.
Im alltäglichen Umgang (mit eher fremden Leuten) ist es mir bisher nur einmal passiert, dass mich jmd darauf angesprochen hat. Ich glaube die meisten Menschen, nehmen das garnicht wirklich wahr. Da ich für mich nicht dazu bereit das mit Hinz und Kunz zu besprechen, greife ich da einfach auf Ausreden zurück. (Arbeitsunfall, besoffen mit Flasche in der Hand hingefallen, etc )

Abschliessend nochmal das Fazit aus meiner Sicht, setz dich nicht unter Druck. Lieber mal eine Ausrede, wenn du dich gerade nicht danach fühlst. Grundsätzlich aber hat es mir unglaublich geholfen, offen damit umzugehen.
Ich wünsche dir viel Erfolg
H
Helmchen
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Re: Offener Umgang mit svV??

Beitragvon Wildbeere » Do. 22.06.2017, 04:14

Ich finde, es ist ein großer Unterschied ob es frische Wunden oder eben tatsächlich Narben sind. Ich weiß nicht, ob das hier gut kommt.. aber wenn es unbedingt machen musst - lassen ist natürlich besser - versuche auf deine Beine auszuweichen. Ja, das ist ein schlechter Tipp - und dennoch gebe ich ihn immer wieder. Beine zeigt man nicht so oft, wie Arme und das ist für die Langzeitfolgen des Lebens besser. Ich habe Arme und Beine voller Narben, wäre aber froh, wenn ich es an den Armen nie gemacht hätte. Jetzt zur eigentlichen Frage. Ich gehe offen damit um, ich verstecke nichts mehr. In der Schule musst du damit rechnen, dass Lehrer dich zum Vertrauenslehrer schicken. Theoretisch müssen Lehrer solche "Warnsignale" erkennen und handeln.
So kam es bei mir damals überwiegend raus, allerdings habe ich da eigentlich mein SVV versteckt.
Ich selbst arbeite als Erzieherin im Betreuten Wohnen. Meine Arme sind inzwischen tättowiert, sodass die Narben kaum erkennbar sind - aber wer selbst betroffen ist, merkt es sowieso. Auf meiner Arbeit habe ich auch Klienten, die sich verletzen. Dort sind meine Antworten knapp, wenn ich gefragt werde. Aber es ist mit den Vorgesetzten abgesprochen, dass ich mich so zeigen darf. Sonst im Normalfall, ausserhalb der Arbeit, wer es drauf ankommen lassen will und unbedingt wissen will, warum, kriegt eine ziemlich ehrliche Antwort. Die meisten trauen sich erfahrungsgemäß aber sowieso nicht. Frische Wunden würde ich aus Respekt anderen gegenüber nicht offen tragen.
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