psychisch bedingte Lähmung?!

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psychisch bedingte Lähmung?!

Beitragvon winternacht » So. 04.10.2009, 22:10

Hallo,

Ich bin selbst nicht betroffen, aber meine beste Freundin. Sie hat vor kurzem die wichtigste Person in ihrem Leben verloren. Danach war sie tagelang unberechenbar. Im einen Moment hat sie noch verzweifelt geweint, dann wieder haltlos gelacht. Psychisch gesehen war sie schon immer etwas instabil, besonders anfällig für Stress, muss immer alles im Griff haben und kann keine Schwäche zeigen. Hilfe hat sie aber immer abgelehnt.
Jetzt hatte sie selbst einen Unfall. Sie ist eine Treppe runtergefallen und war danach bewusstlos.
Seit sie wieder wach ist, sagt sie, sie kann ihre Beine weder spüren noch bewegen. Die Ärzte haben sie gründlich untersucht, aber rein körperlich gesehen ist sie vollkommen gesund.

Im Moment liegt sie noch immer im Krankenhaus.
Man will sie auf die psychosomatische Station verlegen, offenbar weil die Lähmung psychisch bedingt ist. Gibt es das, dass man dann plötzlich seine Beine nicht mehr spürt?
Ich bin fast jeden Tag bei ihr um ihr zu helfen, mit ihr zu reden usw. und ich hab bemerkt, dass sie im schlaf ihre beine bewegen kann. Ist das normal?

Auch steht sie der Verlegung und der Therapie abwehrend gegenüber. Wenn überhaupt, dann will sie nicht sationär auf die Station sondern nur ambulant. Aber wenn sie das nicht machen will, was wird dann aus ihr? Bekommt sie einen Rollstuhl von der KK gezahlt, wie "normal" gelähmte auch?
Oder wird sie sich dann selbst überlassen? Bekommt sie auch eine Schulung, wie sie mit dem Rollstuhl umgehen kann oder zielt man nur darauf ab, sie möglichst schnell wieder da raus zu bekommen?

Ich kenne mich da überhaupt nicht aus, und mache mir große Sorgen, was aus ihr werden soll.

Kennt sich hier jemand vielleicht aus und kann mir schildern, wie es jetzt weiter gehen soll?

Ich würde mich wirklich sehr freuen.

lg winternacht
winternacht
 

Re: psychisch bedingte Lähmung?!

Beitragvon Mulle » Mo. 05.10.2009, 11:42

wenn körperliche ursachen für die lähmungserscheinungen nicht zutreffen, ist wirklich davon auszugehen, das deine freundin eine psychosomatische störung hat. diese hängt mit sicherheit mit dem schweren verlust zusammen, den sie erlitten hat. die schmerzen die sie seelisch hat, kann sie scheinbar anders nicht kompensieren.eine verlegung zu einer psychosomatischen station wäre äusserst ratsam.
bitte redet mir ihr und unterstreicht die wichtigkeit der sache. das sie nicht möchte, hat sicher auch damit zu tun, das sie an dem eigentlichen problem noch nicht arbeiten möchte. sie schützt sich indem sie abwehrt. dass das keine lösung auf die dauer ist, ist selbstredend.
wenn sie trotzallem entlassen wird und eine rollstuhlpflicht besteht, so muss noch vom krankenhaus eine rezept für heil- und hilfsmittel (in ihrem fall der rollstuhl) ausgestellt werden. mit diesem rezept geht man zur krankenkasse oder wenn möglich auch gleich zu einem sanitätshaus, um den rollstuhl zu bestellen.
tja, wie das mit einem anlernen zum fahren ist, da kenn ich mich nicht aus. das müsstet ihr mal bei der krankenkasse nachfragen.
Ich habe mich an allem Möglichen orientiert-
nur zu selten an mir.


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Re: psychisch bedingte Lähmung?!

Beitragvon winternacht » Sa. 10.10.2009, 22:00

Hallo Mulle,

Danke für deine Antwort. Die letzten Tage waren sehr Ereignisreich, daher kann ich erst jetzt antworten.

Meine Freundin liegt noch immer auf der Normalstation, allerdings drängen die Ärzte immer mehr zur Verlegung. Sie hat aber Angst, dass man ihr dort irgendwelche Medikamente gibt, die sie nicht will.

Aber das dürfen die Ärzte doch nicht, oder?
Und wenn sie mit dem Psychologen nicht zurecht kommt, er ihr also z.b. unsympatisch ist oder nicht so weit vertraut, dass sie offen reden kann, dann kann sie das doch sagen und ggf zu einem anderen Psychologen/ eine andere Klinik mit psychosomatischer Station wechseln, oder?

Auch hat sie Angst, dass wenn sich nicht innerhalb von ein Paar Wochen eine Besserung einstellt, man sie als Simulant hinstellt.
Ich hab sie da mal vorsichtig drauf angesprochen, ob sie ihre Beine wirklich nicht spürt, weil sie sie wie gesagt im Schlaf bewegen kann. Angeblich haben die Ärzte geimeint, sie könne sie im Schlaf bewegen, weil da ihr Bewusstsein keine Kontrolle drüber hat, wie wenn sie wach ist. Also im Wachszustand kompensiert sie unbewusst ihren Schmerz mit Lähmung und im Schlaf eben nicht, weil man da ja "nix fühlt"... Ich hoffe, ihr versteht, was ich meine? Kann das sein?

Sie hält es auch nie lang in Krankenhäusern aus, war schon zu oft dort. Kann sie, z.b. nach einem Monat sagen, sie will die Therapie ambulant oder tagesklinisch weiter machen, wenn sie will? Sie hat Angst, dass man sie dann gegen ihren Willen festhalten oder eben wieder als Simulantin hinstellt, weil sie nicht genau das tut, was die Ärzte sagen. Aber ich weiß, dass sie wirklich total kirre wird, wenn sie länger als zwei Wochen in einer Klinik ist.

Würde mich freuen, wenn ihr mir ein paar von meinen Fragen beantworten könntet.
Mach mir große Sorgen.

lg winternacht.
winternacht
 

Re: psychisch bedingte Lähmung?!

Beitragvon Mulle » So. 11.10.2009, 18:58

nun, dann fange ich mal an.
also sie wird nicht gezwungen medikamente zu nehmen, die sie nicht möchte. jeder arzt wird ihr erlären, was für medikamente sie bekommt und wofür die sind.
der stationäre psychologe: wenn sie mit einem therapeuten partou nicht klar kommt, hat sie die möglichkeit zu wechseln. das sollte sich nicht als problem darstellen.
allerdings wird sie ja eh viel zeit benötigen, um ein vertrauensverhältnis aufzubauen. auch das muss sich entwickeln. da bin ich schon bei der verweildauer. ich weiss nicht, wie die "liegezeit" auf psychosomatischen stationen im schnitt sind, aber sie werden sicherlich deutlich über zwei wochen sein. will sagen, es wird daher lange dauern, weil sie selbst erst einmal erkennen muss, das sie selbst ihre erkrankung beeinflusst, das ihre seele verletzt ist. dahin zu gelangen, ist schon ein schwerer schritt und braucht zeit. viele menschen schämen sich dafür und meinen dann "plemm pemm" zu sein. und damit man sich gesellschaftlich nicht diese blösse gibt, blockt man schon vorher.
wir wissen dass das quatsch ist, aber viele andere denken eben nicht so.
die option einer tagesklinik steht dabei im raum und wäre mit einen facharzt mal zu erörtern. bedingung ist, das sie auch hingeht.
sie braucht keine angst haben als simulant hingestellt zu werden, sollte sich hoffentlich ihr zustand bessern. körper und seele bilden eine einheit. und wenn die seele verletzt ist, ist die heilung von langer dauer.
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